Nach kurzem Test: gefühlt eine sehr schöne Qualität, hochwertige Haptik, in der Preisklasse weit vorne dabei. Die Ohrmuscheln sollten mind. mittelgroße Männerohren auch mit noch ein wenig Luft umschließen (ca. 6x4cm innen), und man gewöhnte sich in 15 Min. an die für Gummi durchaus angenehmeren Memory Schaumpolster und den für mich nicht zu starken Druck. All das sicher Frage der Paßform und Geschmackssache. Auf großen Ohren oder Köpfen könnte es schon enger, evtl. auch etwas zu drückend werden.
Die sehr schön kompakte Größe dabei sicher ein Plus.
Klang allgemein: mit Ausnahme von Nachstehendem schienen mir bei den einigen, nicht allzu umfangreich verschiedenen getesteten Hörbeispielen auch feine Details sehr neutral, klar, wirklich gut wiedergegeben, auch nichts zu Dumpfes bemerkt, ausgewogen, eigentlich sehr sauber und schön, durchaus auch detailreich, insoweit bei nur kurzer Probe nichts Unangenehmes aufgefallen, von daher eher im Gegenteil in der engeren Auswahl und ein Vergleich absolut hörenswert.
WICHTIGES „ABER“!
Ein einziges etwas später gefundenes YouTube Video ("Adam Audio H200: The Problem with 'Neutral'" ab Min. 2:00) sprach ein auch m.E. ENORMES Problem an, die Beispiele dort wohl leider nur die Originale, nicht über die Kopfhörer aufgenommen, UND das Problem ist allerdings noch viel weitreichender! Nämlich bei Gesang allgemein, ganz besonders sicher z.B. bei diversem Soul, Latin oder Rauherem, wohl fast ALLEM auch nur etwas leichter Gehauchtem. Ebenso wie dort erwähnt bei weiblichen Stimmen auch bei Männern Leichtes bis Rauheres, Rauchiges, deutlich z.B. Langsames von Joe Cocker u.v.m., einfach fast ALLES, wo Luft auch nur etwas hörbarer ist oder sein soll, was mit "Hauch", Rauheit, Atem, "airy" in der Stimme ins Micro geht, filtern diese Kopfhörer dermaßen stark, extrem bis vollständig heraus, daß beim Singen in diesen so wichtigen Bereichen jegliches Feed-back von der Stimme verloren geht.
Wie im Video Review auch hier einige Vergleichs-Referenzen. Z.B. der in Preis/Leistung hervorragende T.BONE HD815 hebt all das sehr deutlich und zugleich vom Klang angenehm wertig hervor, die Töne selbst dabei noch immer recht klar, neutral und präzise. Der halboffene AKG K240 MII legt nochmals etwas oben drauf (vergleichsweise fast schon etwas zu intensiv und leider immer ein wenig eingefärbt vom sehr leichten Plastik drum herum, dafür extrem leicht auf dem Kopf). Diese beiden also z.B. sehr gut, wenn man Hauch, Atem, die Luft in der Stimme, auch leichtes Kratzen sehr deutlich hören und beurteilen können möchte bzw. einfach unbedingt auch muß. Und sicher gibt es viele dazwischen, die all das etwas weniger hervorheben, doch noch sehr gut bis ausreichend darstellen, wo man beim Adam H200 schon lange einfach gar nichts mehr hört. „Monitoring“ und Optimierung, um die Stimme mit dem richtigen Druck, Färbung, Details in all diesen doch meist sehr wichtigen Feinheiten wirklich sauber ins Micro bringen zu können und dabei vor allem entsprechendes Feed-back zu bekommen damit also fast komplett, in weitesten Bereichen mit dem H200 unmöglich.
Im oben genannten Video Review der Adam H200 wohl ebenfalls als einziger unter den dort verglichenen so deutlich betroffen.
Ich hatte ihn nur kurz und schonend getestet, nehme aber an, daß sich dieses Problem auch längerfristig richtig "durchgepustet" mutmaßlich eher nicht ausreichend verbessern dürfte.
Interessanterweise übertrug auch der Adam feine Nebengeräusche aus dem Micro wie z.B. über Stoff streichen, Gummisohle auf dem Boden bewegen etc. dabei nicht weniger deutlich, und viele andere Details, Töne und Nuancen kamen gut, detailliert und natürlich an. Er schluckt also keineswegs allgemein und alles, sondern kann auch sehr fein und detailliert bei Tönen wie auch anderen Details.
UND: „nur so die Musik gehört“ fällt es relativ noch ERHEBLICH weniger auf als direkt beim Singen am Micro!
Alle diese gerade beim Singen (ggf. auch Bewerten) sehr wichtigen Aspekte hört man über alle Kopfhörer direkt am Micro wiederum viel deutlicher als später in der unbearbeitet komprimiert exportierten mp3 Aufnahme oder auch allgemein beim Musik hören und auch, wenn der Vergleich fehlt - und nur gemutmaßt auch über sehr gute Lautsprecher eventuell nochmals etwas weniger deutlich. Von daher könnte man vielleicht vermuten, daß Adam Audio sich hier eher an diesen Output-Referenzen orientiert hat, also besonders für diese authentischer abstimmen wollte.
Wer je nach Art des Gesangs bei eventuell Lauterem, Schnellerem, Pop, Schlager o.ä. kein ausreichend vollständiges Feed-back der Feinheiten der Luft in der Stimme bzw. in den genannten Punkten braucht oder sogar möglichst wenig davon hören will (z.B. nur Playback je nach Musik oder Podcasts etc.) oder beim Aufnehmen ein Feed-back wirklich nur der Töne selbst „mit aber nur ganz wenig bis null Luft drin“ benötigt, bekommt nach meinem sonst kürzeren Eindruck durchaus sehr saubere, klare, natürliche Töne, vor allem auch recht linear, weder Höhen noch Mitten noch Tiefen oder Bässe irgendwie überbetont oder unangenehm, und freut sich dann dabei vielleicht sogar über weniger Atemluft im Ohr bei sonst durchaus detailreich. Das Produkt ist also keineswegs schlecht, je nach Zweck durchaus vielleicht sogar richtig gut.
Es mag sogar interessant sein für die, die – je nach Musikrichtung und (tendenziell eher kräftiger, sehr stabiler, klarer) Stimme – schon am Mikro eher (nur) das hören müssen und möchten, was nachher gemastered, vielleicht noch etwas gefiltert oder entrauscht aus den meisten Lautsprechern kommt, auch wegen der ansonsten neutralen, recht akkuraten und authentischen Wiedergabe.
ALLERDINGS eben in den oben erläuterten Bereichen, wenn sie relevant sind und dort bzgl. präzisem, vollständigem „Feed-back“ der Stimme (beim Gesang am Micro wohl meistens und wahrscheinlich schon doch auch beim Bewerten dessen), in meinen Augen schlicht und klar unbrauchbar - leider. Kommt also wohl auf den Zweck an, ob sie interessant sind.