Nun, nach einem Jahr der Gitarre in Gebrauch, ist es Zeit eine Bewertung abzugeben. Ich war letztes Jahr bei Thomann im Store und interessierte mich eigentlich für eine PRS. Nach dem Test einiger PRS-Modelle musste ich aber feststellen, dass der Funke bei mir nicht übersprang. Ich war schon etwas frustriert und wollte schon den Rückzug antreten. Da fiel mir die knallrote JS an der Wand auf. Mehr aus Spaß bat ich den Verkäufer sie mir herunterzureichen. Ja was soll ich sagen, da hats zoom gemacht. Ich hatte die Gitarre nur trocken angespielt und ich war von der Ergonomie und dem JS-Hals sofort begeistert. Da ich in Andalusien wohne konnte ich das Schätzchen leider nicht sofort mitnehmen. Also bestellt und bald darauf nach meiner Rückkehr kam das Paket in tadellosem Zustand in meinem Bergdorf im Nirgendwo an. Unboxing: Ein hochwertiger Koffer zeigt sich zuerst. Bessere Qualität wie bei den Ibanez Prestiges. Der Inhalt, wie erwartet, knallrot. :-) Alles tiptop und vollständig. Es fällt gleich der Carbon Tremoloarm auf, das sieht schon mal cool aus und spielt sich später auch sehr cool. Verarbeitungsseitig ist alles top. Ich konnte keinerlei Schwachstellen erkennen. Die Werkseinstellung ist perfekt. Hier war ein Profi am Werk. Ich hatte bei meiner letzten Ibanez (RG Prestige) hier ganz schlechte Erfahrungen gemacht, was auch fast das Aus für Ibanez für mich bedeutet hat. Aber hier, alles schick. Jetzt nach einem Jahr in Gebrauch werde ich den Hals etwas nachjustieren, das wars aber auch. Das Halsprofil ist genial. Hier kann ich am längsten ermüdungsfrei spielen, ohne Schmerzen zu bekommen. Nicht so eine Flunder wie bei den Wizzard-Hälsen. Gemacht zum Arbeiten. Die Bünde sind nicht allzu dick (medium). Mir gefällt es. Der Griffbrettradius ist recht rund, etwas was ich sehr angenem finde und das Akkordspiel erleichtert. Der Body ist ein Kuschelkätzchen. Es gibt, glaube ich, nichts ergonomischeres. Die hohen Lagen sind bis zum 24. Bund unglaublich gut spielbar ohne Änderung der Grifftechnik. Es geht einfach vom 1. Bis zum letzten Bund ungebremst durch. Das dunkelbraune Griffbrett hat gut erkennbare Markierungen. Ich finde das erwähnenswert, denn das ist bei manchen Gitarren nicht sehe gut gemacht und führt doch öfter mal zu einem Fehlgriff bei schnelleren Akkordwechseln, gerade über dem 12. Bund.
Zum Sound. Die Gitarre ist sensibel und quicklebendig. Man hört alles, also auch alle Fehler. Sie erfordert ein konsequentes Dämpfen der nichtgespielten Saiten im Zerrbetrieb. Das ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Mein Bruder kommentierte das mit "ist ja nicht spielbar". Hat man seine Spieltechnik daran angepasst, sprich verbessert ;-) dank es die Gitarre mit glasklarer, lebendiger Ansprache, ordentlich Dampf und einem eigenständigen, facettenreichen Ton. Hier würde ich tatsächlich sagen, dass das Instrument nichts für Anfänger ist, da könnte Frust drin liegen. Es ist ein Rennpferd und das will beherrscht werden. Der Hals PU mit dem Sustainiac macht interessanterweise einen verdammt guten Job. Hier hätte ich erwartet, dass es zu lasten des Sustainiacs Abstriche gibt. Der Satchur am Steg hat ordentlich Biss. Ich muss sagen, die Satchurs empfinde ich als überragend gut. Generell ist die Gitarre ein Chamelion was Sound betrifft. Irgendwie geht einfach fast alles damit. Ich Spiele stilistisch im Bereich Rock/Metal der 80er,90er bis aktuelles, aber keine ultracore Sounds. Dafür ist sie perfekt.
Ganz zum Schluss gibt es dennoch eine Schwachstelle. Der PU-Umschalter fühlt sich billiger als der Rest des Instruments an und arbeitet nicht gänzlich geräuschfrei. Vielleicht könnte man das tauschen? ...
Im Gesamtpaket ist die Gitarre ihren Preis wert. Eigentlich braucht man damit eh nur noch eine :-) Es wird ersteinmal schwierig etwas zu finden, was "über kann".
Von meiner Seite klare Empfehlung. Sparschwein schlachten und kaufen.