Der erste Wow-Effekt beim Auspacken blieb bei mir tatsächlich erstmal aus. Nach Jahren auf günstigeren Gitarren wie meiner Stagg SW206 oder Harley Benton Harley Benton GS-Travel Mahogany musste ich mich zuerst an das Instrument gewöhnen. Besonders die ab Werk montierten coated Saiten waren für meinen Spielstil nichts. Für meinen Daumenanschlag fehlte mir Grip und Widerstand. Mit D’Addario EJ16 fühlte sich die Gitarre für mich sofort deutlich natürlicher an.
Was die Taylor meiner Meinung nach sehr gut kann: Sie reagiert extrem schnell und direkt. Ich brauche deutlich weniger Attack, um Präsenz und Dynamik zu erzeugen. Das ist erstmal ungewohnt, wenn man lange Gitarren gespielt hat, die mehr Kraft „vertragen“, bevor sie wirklich aufmachen. Die Taylor zeigt Fehler und unsaubere Barre-Akkorde sofort auf, belohnt dafür aber auch Kontrolle und Dynamik viel stärker.
Gerade beim gleichzeitigen Singen und Spielen merke ich inzwischen, dass mich die Gitarre anders trägt. Sie zwingt mich weniger zu kämpfen und reagiert sensibler auf Nuancen. Dadurch verändert sich auch das Gefühl beim Performen, was für mich wichtig ist, da ich komplette Sets live spiele und nicht nur einzelne Akkorde zuhause anschlage.
Ich finde nicht, dass teure Instrumente einen automatisch besser machen. Sie zeigen eher deutlicher den Weg zur nächsten Stufe. Genau das macht die Taylor für mich aktuell interessant.
Trotzdem sehe ich auch kritisch, dass man bei solchen Marken natürlich einen gewissen Teil für Name und Image bezahlt. Deshalb würde ich persönlich jedem empfehlen, verschiedene Gitarren anzuspielen und sich nicht vom Hype blenden zu lassen. Für mich war die größte Verbesserung bisher tatsächlich die Kombination aus der Taylor selbst UND den für meinen Stil passenden Saiten.
Was mich besonders freut: Mit jeder Session fühlt sich die Gitarre besser an. Anfangs musste ich mich erst an die direkte Ansprache und das andere Spielgefühl gewöhnen, aber mittlerweile merke ich immer stärker, wie sensibel und dynamisch das Instrument reagiert. Gerade beim gleichzeitigen Singen und Spielen trägt mich die Gitarre inzwischen spürbar anders als meine bisherigen Instrumente.
Was mich dagegen wirklich enttäuscht hat, ist das Batteriefach des Tonabnehmersystems. Dass dieses per Klettband im Inneren befestigt ist, wirkt in dieser Preisklasse für mich überraschend billig gelöst. Gerade bei einer Marke wie Taylor hätte ich mir dort eine hochwertigere und elegantere Lösung erwartet. Das ist natürlich kein klangliches Problem, aber ein Detail, bei dem man merkt, dass auch bei teureren Instrumenten nicht alles perfekt umgesetzt wird.