Insbesondere mit Single-Coils oder Filtertrons-Pickups schien mir der Sound der Katanas bisher zu matt und künstlich, was wohl auch an den Katana-Speakern liegen mag. Der neue Pushed-Amplifier und die Bloom-Funktion haben mich aber überzeugt den Head Gen 3 zu testen. Als Box habe ich die Harley Benton G112 mit dem Celestion V30 bestellt, die verträgt zwar nur 60 Watt, aber die maximalen 100 Wattt braucht wohl niemand (dann wäre sowieso eine PA-Anlage im Einsatz).
Top Sound mit praktischen Features:
Bass/Middle/Treble/Presence sind typischerweise zwischen 10 und 14 Uhr am besten aufgehoben. Zusammen mit Gain- und Boost-Regler, Variation- und Contour-Knopf und den Cab-Sims lässt sind rasch der gewünschte Sound finden. Der super geniale Bloom-Knopf lässt das ganze noch richtig aufblühen (bloom = blühen). Mit den Amplifiers Clean, Pushed und Crunch klingt das ohne viel Aufwand schon sehr sexy für Blues, Rock, Jazz, Pop, Indie, Funk etc. (High-Gain-Sounds und die Amplifier Brown und Lead benutze ich nicht). Die Bedienung bleibt einfach. Das Boss Tone Studio bietet endlose weitere Möglichkeiten, interessanterweise auch die Einstellung des Basis-Equalizers des Amps um ihm grundsätzlich einen anderen Charakter zu geben. Tipps für gute Sounds gibts im Internet. Die Reduktion auf ½-Watt ist Gold wert und erlaubt „grossen“ Sound bei Zimmerlautstärke (und darüber hinaus).
Pushed Ampflifier und Röhrensound:
Die Simulation eines leicht angezerrten Röhrenamps mit seinen facettenreichen Obertönen ist sozusagen die Königsdisziplin für Modelling-Amps, an der alle mehr oder weniger scheitern. Mit dem Pushed Amplifier habe ich es aber tatsächlich geschafft, sehr nahe an die Sounds der alten Röhrenamps von Fender oder Vox zu kommen, inklusive Anschlagsdynamik, „bloomigen“ Obertönen und Reaktion auf den Volumeregler der Gitarre. Ich besitze zwar keine solchen Amps für einen direkten Vergleich, aber was da aus dem Katana Head Gen 3 rauskommt, tönt schon sehr überzeugend nach Beatles, Rolling Stones, Hendrix, SRV, Brian May und Co. (natürlich nur der Sound und leider nicht mein Gitarrenspiel ;o)
Effekte:
Es gibt zahlreiche gute Effekte in Top Qualität. Vier davon (mit je drei Varianten) sind direkt am Amp bedienbar, was sehr praktisch ist. Im Boss Tone Studio kann die Belegung der vier Effektregler des Amps beliebig geändert werden. So spart man viel Geld für hochwertige Pedale, was den hohen Preis für Verstärker+Box relativiert. Einfach rasch am Amp selber ein wenig Tube Screamer hinzufügen (oder doch lieber Blues Driver?), einen Hauch Chorus oder Phaser oder Tremolo, ein sehr kurzer Slap-Back-Delay und etwas Reverb (Room oder Spring oder Plate?) und fertig ist der fette Sound in Profiqualität. Externe Pedals wie mein vorgeschalteter Spark Treble Booster für Solos klingen perfekt und auch mein Looper im Effects-loop funktioniert tadellos.
Weniger positiv:
• Hoher Preis (mit Box und Fussschalter ca. 700.- Euro)
• Bluetooth-Modul nur als Extra
• Cab-Sims nicht top (eine passende Box besorgen)
• Nur acht Presets
• Solo-Funktion gibt mehr Dezibel, aber Sound überzeugt meist nicht
Fazit:
Flexibler und bedienerfreundlicher Amp mit super Sound, tollen Effekten und überzeugender Röhren-Simulation. Eine Empfehlung für alle, die Sound und Bedienung klassischer (Röhren-)Amps suchen, aber keine Sammlung teurer und überlauter Röhrenmonster mit Pedalboard betreiben wollen und sich auch nicht im Labyrint einer sterilen Digitalkonserve (Helix etc.) verlieren möchten.