Auf der Suche nach einem halbakustischen Longscale-Bass bin ich u.a. auf den Jack Casady von Epiphone gestoßen - allzuviel Auswahl gibt es da ja eh nicht, die meisten mir bekannten semi-akustischen werden mit kürzerer Mensur angeboten.
Ich hatte im Vorfeld schon viel nachgelesen und mir war schon klar, dass der Epiphone in Bezug auf die Verarbeitung wohl nicht immer ganz vorne mit dabei ist. Aberer schaut halt schon cool aus, also mal testen.
Nachdem der Höfner Verythin 500/8 hier bei Thomann eine ganze Weile nicht mehr verfügbar war (den durfte ich mal bei einem Freund anspielen, hat mich doch ziemlich beeindruckt), hab ich mir jetzt mal den Epi bestellt.
Kam mit etwas Verzögerung hier an. Ausgepackt und erstmal aklimatisieren lassen (er war saukalt). Derweilen erstmal optisch untersucht und da kamen schon die ersten Enttäuschungen:
- Die Bundstäbchen oberhalb von Bund 14 oder so stehen etwas über und sind schon recht scharfkantig. OK, da oben bin ich so gut wie nie unterwegs, trotzdem nicht schön.
- Das Griffbrett im selben Bereich ist ganz seltsam fleckig, das ist rein optisch, nicht spürbar; vielleicht würde ja eine Ölung helfen.
- Die wirklich toll leuchtend rote Lackierung (das ist ein fast schon metallischer Glanz) ist an ein paar Stellen unsauber aufgetragen und läuft da über das Binding.
- Der Sattel oben am Headstock wirkt, als wäre er aus dem allerbilligsten Plastik gefräst; bei keinem meiner Instrumente hab ich sowas bisher gesehen. Aber er tut aktuell, was er tun soll, nämlich die Saiten halten. OK.
- Am schlimmsten aber: der 3-stufige Schalter zur Einstellung des Vorwiderstands dreht etwas über, wenn ich ihn zu schwungvoll bewege (nein, nicht brachial). Und dieses Überdrehen passiert irgendwo innen im Umschalter, nicht am Knopf selber. Das macht mir keinen guten Eindruck. Wenn man es weiß und vorsichtig an die Sache rangeht, passt es. Aber klar frage ich mich, ob das nicht irgendwann auch schlimmer werden könnte.
Genug gemeckert, zum Sound:
Unverstärkt klingt er schonmal nicht schlecht, ein kleines bisserl nach Sperrholz, im Vergleich zum oben erwähnten Höfner, aber schon in Ordnung. Zum Üben nachts im Wohnzimmer würde das locker reichen.
An meinem kleinen NUX-Preamp kommt er ein wenig undifferenziert rüber, aber da muss ich evtl. mehr mit den Einstellungen arbeiten, die sind aktuell auf meinen aktiven 5-Saiter ausgerichtet.
Leider schnarrt vor allem die E-Saite leer gespielt und in den unteren Lagen schon recht ordentlich. Aber das sollte hinzubekommen sein.
Dann gestern ab in den Übungsraum und am Amp ausprobiert (ein Ampeg RocketBass 210): ja das klingt wirklich gut, knurrt da, wo es knurren soll, und kann auch gut samtig.
Dass er nur einen PU hat, stört mich so gar nicht, im Gegenteil: ich mag es eh eher simpel, und das hat mein Preci ja auch. Und er sitzt offenbar an der richtigen Stelle. Wirklich interessant ist der oben erwähnte 3-stufige Schalter, da lässt sich wirklich verblüffend viel mit anstellen. Am besten gefällt mir spontan die Mittelposition (250 Ohm).
Ich will ihn die Tage nochmal im Übungsraum und im Bandkontext antesten, vielleicht lässt er da ja so die Sau raus, dass ich ihn trotz der oben beschriebenen Defizite einfach haben MUSS.
Fazit: 700 EUR sind nicht die Welt für einen wirklich schönen und gut klingenden Bass, aber da darf man m.E. trotzdem etwas mehr Sorgfalt bei der Qualitätskontrolle im Werk erwarten.
Mal sehen.