Ich fand schon die erste Player Serie von Fender sehr gelungen und den vorangehenden Mexiko Modellen in Sachen Sound und Hardware-Komponenten deutlich überlegen. Vom Preis-Leistungsverhältnis her gab es damals schon nichts zu meckern, selbst nicht im Vergleich zu meinen Fender Gitarren made in USA, die das Doppelte kosten. Doch als ob ich nicht schon genug Gitarren hätte, reizte mich jetzt die neue Player II Serie in der HSS Version mit Palisander Griffbrett und dem 3-Tone-Sunburst.
Thomann lieferte wie immer blitzschnell. Die Gitarre kam sicher verpackt im Doppelkarton, der innere original von Fender und noch zu getackert. Mit der üblichen "GAS-Nervosität" und Vorfreude ausgepackt, alles ok. Keine Kratzer, glänzender Lack, definitiv Neuware. Doch dann der Schock: Die 2-Point Synchronized Tremolo Bridge, immer mit zwei großen Schrauben am Body fixiert, war auf einer Seite komplett aus der Halterung gesprungen. Leider kann ich hier kein Foto einstellen, es ist schwer zu beschreiben. Die Bridge hing auf einer Seite über der großen Schraube, unter der sie normalerweise fixiert wird. Die gesamte Bridge war quasi verkeilt, ebenso der Metallblock im Body, der schräg im Schacht fest saß. Ich habe so etwas in 40 Jahren als Gitarrist noch nicht gesehen. Von alleine kann das nicht passieren, schon dreimal nicht, wenn Saitenspannung auf dem Instrument ist.
Wie so etwas durch die Fender Endkontrolle gehen kann, ist mir unerklärlich. Da muss in Mexiko jemand zu viel Tequila intus gehabt haben! Ein absolutes no go! Selbst nach dem Entspannen aller Saiten musste ich trotzdem die große Halterungsschraube lockern, um die Bridge wieder darunter fixieren zu können. Ich denke ein Anfänger hätte sich damit schwer getan und die Gitarre wieder zurückgeschickt. Thomann kann dafür nichts, denn anhand des zu getackerten Kartons muss man davon ausgehen, dass die Instrumente von Thomann nicht mehr gecheckt werden. Das mit der Bridge wäre sonst jedem aufgefallen, so was verschickt man nicht.
Sei's drum - ich konnte es richten und keine weiteren Schäden feststellen. Weil ich die Gitarre ansonsten spitze finde, also Lackierung, Griffbrett, Holzmaserung, Sound usw., war klar, ich würde sie behalten. Wie üblich musste ich die Halskrümmung nach meinen Bedürfnissen anpassen, aber das war es dann auch. Alles andere war gut voreingestellt, sogar die Oktavreinheit. Neue Saiten drauf, Griffbrett geölt und dann endlich auf der ersten Probe getestet. Toller Sound, super leichte Bespielbarkeit. Geschmeidiger, schlanker Hals, Bundkanten perfekt abgerichtet. Ein tolles Instrument mit guter Dynamik, Prägnanz und Durchsetzungsvermögen im Bandgefüge.
Das Palisander-Griffbrett sieht sehr edel aus und ist wirklich so schön dunkel, wie auf den Produktfotos. Darauf hatte ich gehofft. Kein Vergleich zu dem für mich hässlichen hellen Rotbraun der Pao Ferro Griffbretter, die Fender bei der ersten Player Serie verbaute. Die konnte man ölen, wie man wollte, das Pao Ferro wirkte irgendwie immer trocken, spröde und billig. Da die Rückseite des Ahornhalses nicht glänzend lackiert ist, sondern eine sehr natürliche Haptik hat, pappt nichts und die Hand gleitet entspannt über den Hals.
Wunderbar auch das 3-Tone-Sunburst, das perfekt mit dem dunklen Palisander-Griffbrett und den cremigen Vintage White farbenen Pickups und Volume/Tone-Knobs harmoniert. Großartig, die Gitarre sieht für mich äußerst edel und in sich perfekt aus! Ein absolut klassischer Stratocaster Look!
Lasst Euch nicht von den Kritiken bezüglich der Madenschrauben an den Saitenreitern irritieren, die angeblich sooooo scharfkantig sind, dass man sich daran verletzten könnte. Das ist Blödsinn! In der Regel liegt die rechte Hand ja ruhig auf der Bridge und „schrubbt“ nicht ständig hin und her. Bei meiner 2014er Fender USA Standard Strat, bei meiner Fender American Performer Strat und bei meiner 2014er Standard USA Tele mit Channel Bound Neck ist es genauso! So ist nun mal die Konstruktion bei diesen Bridges. Für mich waren die Madenschraben noch nie ein Problem. Die Player II ist hier kein Ausreißer im negativen Sinne, sondern das ist nun mal die übliche Konstruktion.
Die Player II HSS Strat klingt kräftig, vielleicht eher etwas runder und nicht ganz so spitz und höhenlastig, wie andere Modelle (bezogen auf die Single-Coils). Vom Grundton her auf jeden Fall „klassisch“ mit typischem Strat-Charakter. Der Humbucker tut seinen Dienst und rockt. Er klingt sehr druckvoll und nicht matschig oder muffig, gefällt mir gut. Selbst der Lautstärkeunterschied zu den Single-Coils hält sich in Grenzen, was mich positiv überrascht hat. Wenn man die Single-Coils noch ein bisschen höher schraubt, hat man den Unterschied weitestgehend im Griff und kann alles andere über seine Effekte, Booster oder den Volume Knob an der Gitarre ausgleichen.
Ich möchte behaupten, dass diese Player II Strat meinen USA-Modellen in nichts nachsteht, wenn auch der direkte Soundvergleich schwierig ist, da auf allen meinen Strats unterschiedliche Pickups montiert sind. Aber das Spielgefühl, die Verarbeitung und Optik der neuen Mexiko-Serie sind für mich hervorragend und rechtfertigen den Preis. Ich mag natürlich auch die "Magie" meiner USA Fender Klampfen. Doch um ehrlich zu sein, kann man sich wirklich überlegen, ob man den Mehrpreis für USA-Modelle investieren möchte. Allen, bei denen der Geldbeutel mit eine Rolle spielt, kann ich die Player II Strat uneingeschränkt empfehlen. Ihr werdet keine Nachteile verspüren. Hinzu kommt ja noch der verwendete Amp, die Box, die Effekte und natürlich das, was Ihr aus Euren Fingern holt.