Leider muss ich die vielen Kritiken hinsichtlich des zu hohen Grundrauschens bestätigen. Das ist insofern schade, als dass der Amp ansonsten toll verarbeitet ist, klasse aussieht und zumindest gemäß Zimmerlautstärke Test richtig gut klingt. Wie er sich bei Probelautstärke im Bandgefügte schlägt, kann ich nicht sagen, da ich ihn aufgrund des Grundrauschens erst gar nicht dorthin mitgenommen hatte. Aber der erste Soundeindruck zuhause war sehr vielversprechend und umso bedauerlicher ist diese gravierende Schwäche bei der Geräuschentwicklung.
Nach zehn Minuten Testen, Ärgern und enttäuscht sein packte ich ihn wieder ein und beauftragte die Retoure - sorry Thomann! Für mich als Live-Musiker ist solch ein Amp nicht praktikabel. Die Vorstellung, dass das immense Grundrauschen zwischen den Songpausen über die P.A. das Publikum berieselt, ist ein absolutes no go. Ich bin mittlerweile seit über 40 Jahren aktiv und habe entsprechend viele Amps gespielt. Egal ob Transistor oder Röhre, keiner wies solch ein lautes Grundrauschen auf, wie der Marshall DSL20. Hier belegt er im negative Sinne Platz 1.
Ob Fender Hot Rod Deluxe, Peavey Classic 20, Marshall Studio JTM, Orange Super Crush 100 oder Quilter Toneblock 202, nur um ein paar Beispiele zu nennen - alle sind sie im Vergleich beinahe mucksmäuschenstill. Vor dem Hintergrund des sehr günstigen Preises verwendet Marshall hier offenbar billige Bauteile. Was nützt mir ein günstiger Preis und ein vielversprechender Sound, wenn die Kiste so laut rauscht? Für mich zeigt sich wieder mal, dass es in den allermeisten Fällen seinen Grund hat, warum etwas billig ist und dass es sich i.d.R. lohnt, mehr auszugeben.
Mich wundert, wie viele Nutzer den Amp offenbar behalten haben und ihn derart positiv bewerten. Meines Erachtens muss man schon ziemlich schmerzfrei sein, um dieses Rauschen zu ignorieren. Ganz übel kommt's übrigens, wenn man versucht ein Delay in den dafür vorgesehenen Effekt-Loop einzuschleifen. Habe drei Modelle ausprobiert und katastrophale Ergebnisse erhalten. Das Rauschen wurde noch brutaler.
Der interne Hall ist besser, als gar keiner und zumindest spart man sich ein zusätzliches Pedal - mehr aber auch nicht. Wenig sphärisch, irgendwie begrenzt und nicht wirklich effizient. Bis man ihn überhaupt wahrnimmt, muss man den Regler schon fast halb aufdrehen, aber selbst dann fehlt das gewisse Etwas. Da ich Hall nur äußerst sparsam einsetze, wäre das für mich hinnehmbar gewesen.
Mir war schon im Vorfeld klar, dass man für einen 439 EUR Röhrenamp keine Wunder erwarten kann. Aber wie auch beim Origin (der rauscht nämlich nicht so, bei ähnlichem Preisgefüge) hätte sich Marshall diesbezüglich doch etwas mehr Mühe geben können. Mit statt 439 EUR vielleicht 500 bis 550 EUR und dafür ohne hässliches Grundrauschen, wäre der Amp für mich ein absolutes Highlight. Wer nicht viel ausgeben möchte oder kann und wem dieser Nachteil egal ist, sollte den DSL20 trotzdem mal ausprobieren.