Das Rodecaster habe ich mir vor ca. einem halben Jahr angeschafft. Mein Anwendungsfall ist nicht unbedingt der, für den das Produkt gemacht ist, aber dennoch einer, den es abbilden kann.
Vieles an dem Pult gefällt mir sehr gut, manche Dinge könnten aber wirklich besser sein.
Ich gehe mal einfach Punkt für Punkt meine Gedanken zu dem Pult durch:
- Der Klang
Einwandfrei. Das Ding klingt einfach gut. Die Preamps sind sauber, es gibt keinerlei Störgeräusche, auch nicht auf bei hoher Verstärkung des Kopfhörerausgangs.
- Die Möglichkeiten im Channel-Strip
Fantastisch. Alles, was man sich so an Dynamikoptionen wünscht. Sogar die originalen Auralex Exciter und Big Bottom.
- Die Möglichkeiten als Audiointerface am PC
Diese waren der ausschlaggebende Grund für mich, das Pult zu kaufen. Ich nutze es, um mehrere Audiospuren von meinem PC für meine Kopfhörer und Lautsprecher zu mischen. Hierzu verwende ich den Multitrack-Treiber von Rode, welcher mir die einzelnen Kanäle als seperate Audiogeräte in Windows darlegt. Somit kann ich auf den ersten Stereokanal den Systemsound senden, auf den zweiten das Audio von Spielen, auf den dritten den Voicechat, den vierten für den Browser, den fünften für Spotify.
Damit kommen wir leider gleich schon zum ersten Wermutstropfen: Die Zuverlässigkeit des Treibers. Zumindest der primäre Kanal versagt des öfteren unter Windows den Dienst und lässt sich nur nach einem Neustart des Treibers wieder verwenden. Hierzu habe ich diverse Beiträge online gefunden, Rode verweist hier wohl auf Microsoft, Microsoft kümmert das selbstverständlich wenig.
Ein weiteres, meineserachtens das größte, Manko ist leider - es gibt ein Zero-Latency-Monitoring. Gleich im ersten Moment, wo ich ein Mikrofon angeschlossen und gleichzeitig über meine Kopfhörer abhören wollte, viel mir das extrem auf. Kammfiltereffekt bis zum gehtnichtmehr. Finde ich leider sehr unangenehm und war letztendlich auch einer von zwei Gründen, weshalb ich mich von dem Pult wieder getrennt habe.
- Die Möglichkeiten des Mixings:
Es kann viel, und doch wenig.
Man kann mehrere Mixe erstellen. Einen beispielsweise für die Lautsprecher, einen für die Kopfhörer, mehrere, die an den PC geschickt werden sollen. Hierbei lässt sich aber nur ein einziger, der Main-Mix, tatsächlich über die Fader einstellen. Alle anderen Mixe sind ausschließlich in Sub-Menüs und über den Encoder bzw. Touchscreen anpassbar. Mal schnell da etwas ändern? Pustekuchen. Als i-tüpfelchen werden in den Level-Meter des Main-Mixes auch noch Kanäle miteinbezogen, die in der Konfiguration für den Mix explizit deaktiviert wurden. Somit ist die Anzeige, je nach Konfiguration, absolut nichtssagend.
Das war der zweite Punkt, der mich leider zur Trennung bewegt hat. Ich habe mir gewünscht, individueller und schneller die Mixe für Lautsprecher und Kopfhörer anzupassen. Die Option bleibt hier leider größtenteils aus.
Ich habe mich inzwischen für ein XR18 zusammen mit einem X-Touch entschieden, welcher den Job des Rodecasters übernommen hat. Auch die Lösung ist nicht perfekt, aber hinsichtlich des mit dem Rodecaster vergleichbaren Preises doch durchaus leistungsfähiger.