Die Idee einer all-in-one-Gitarre mit eingebautem Mini-Amp und paar Effekten ist ja nicht neu - die gab es schon vor Jahrzehnten. Es sind und waren immer Exoten und etwas, das man entweder als nettes Gimmick nutzt oder der Einfachheit halber mit auf Reisen nimmt.
Die Idee von VOX, dieses alte Konzept neu aufleben zu lassen, ist im Prinzip nicht schlecht - aber leider nicht zu Ende gedacht umgesetzt.
So bringt die VOX APC-2 zwar vom Prinzip her (fast) alles mit, was man sich bei einem solchen Konzept wünscht: Die klassischen Ton- und Volume-Regler einer E-Gitarre (dazu gleich mehr), und eine Effekt-Section mit Drum-Machine mit versch. Rhythmen, eingebautem Stimmgerät (dazu auch gleich mehr), und quasi ein kleiner digitaler Multieffekt sowie eine globlale Boost-Schaltung.
So weit so gut - aber da fängt es mit dem unvollständigen Konzept auch schon an.
1. Der eingebaute Tuner ist de facto unbrauchbar. Man kann damit nur die hohe E-Saite stimmen - alle anderen Seiten muss man dann im Verhältnis zu dieser manuell selbst stimmen. Der Tuner reagiert nicht auf die Saiten 2-6. Warum VOX das so macht, wo heutzutage fast jede Akustikgitarre einen guten eingebauten Fishman-Tuner an Bord hat, bleibt mir ein Rätsel. Da hätte man ein paar Euro mehr in die Platinenschaltung investieren können...!
2. Die Ton-Regelung der Gitarre/PUs selbst geht nur global für beide PUs - wenig sinnvoll bei zwei Humbuckern! Auch ein Rätsel - vermutlich hat VOX hier einfach die nicht weiter entwickelte Elektronik des Vorgängermodells weiter verbaut, ohne diese auf die Nachfolge mit zwei PUs upzudaten. Zeugt auch von wenig Entwicklungsfreudigkeit. Zudem sie nicht wirklich gut ist.
3. Der Booster macht es eher schlimmer, als dass der dem Klang hilft.
4. Batterie-Speisung: Die VOX nimmt 6x 1,5V Mignon-Zellen (AA) auf - warum man da nicht stattdessen einen 9V-Block als Stromversorgung angelegt hat, ist mir auch schleierhaft.
5. Was definitiv bei einem solchen Konzept fehlt:
Ist ein eingebauter Looper mit mind 5 Min. Speicherzeit.
Warum man an so etwas bei einer solchen als eierlegenden Wollmilchsau gedachten Lösung nicht denkt, erschließt sich mir auch nicht. Ich kann es mir nur so erklären, dass die Gitarre nicht von selbst Gitarre spielenden Entwicklern am Reißbrett konzipiert wurde.
6. Und was in der heutigen Zeit auch definitiv fehlt, ist neben dem gut gemeinten Aux-Eingang eine Bluetooth-Schnittstelle, mit der man sowohl statt AUX von Außen auf die Gitarre und den Speaker was Senden kann, als auch the other way round das Signal aus dieser auf nen Amp oder externen Speaker raussenden kann. Das nicht zu haben, ist bei dem Konzept irgendwie auch überholt und nicht zeitgemäß, würde ich sagen.
VERARBEITUNG:
Für den Preis ist die Verarbeitung nicht gut, insbesondere am Hals, Griffbrett und den Bünden. Diese sind scharfkantig und nachbehandlungsbedürftig, das Griffbrett ist kein gutes Holz, welches teilweise (zumindest bei dem mir gelieferten Exemplar) sogar mangelhafte wurzelartige, rauhe Stellen aufweist, und die Endkontrolle hat es wohl auch nicht wirklich gegeben.
FAZIT:
Nette Idee, nettes Spielzeug, aber dafür mit rückständigem Entwicklungs- und Technik-Stand.
Verarbeitung teilweise nicht gut und nachbesserungsbedürftig.
Für das, was sie bietet, viel zu teuer!
Einen Preis von 239 bis max 299 Euro für das kleine Gimmick fände ich persönlich angemessen - alles andere ist bei den Features und Nicht-Features schon etwas vermessen, wie ich finde.
Schade, denn die Idee ist eigentlich gut und würde für manch einen sicher eine Marktlücke schließen, wenn sie gut durchdacht und gemacht wäre - so bleibt am Ende doch eher eine Enttäuschung.
Würde ich nicht nochmal kaufen/ausprobieren.