Vorweg, natürlich sind Mikrofone in Rekordern dieser Preisklasse nicht perfekt, das können sie auch nicht sein. Manch gutes Mikrofon kostet mehr als viermal so viel wie das Gesamtpaket mit vier Kapseln und von daher würde ich die Klangqualität solcher Geräte als brauchbar bis gut beschreiben.
Ich kaufte ihn als Ersatz für einen H1essential, einen kleinen dieser Art braucht man immer und hatte dabei für einen Podcast Vergleichsaufnahmen angestellt: H1e, H2e, H4n Pro und F3 mit RODE TF-5. Die Reihenfolge von schlecht bis gut drückt es aus, der H1e, bei dem viel im Rauschen untergeht, ist im Vergleich sogar deutlich schlechter als der H2e, dem man allerdings auch anmerkt, dass ihm feinste Nuancen schwer fallen. Beim H4n Pro gelingt das besser, er dürfte auch die bessere Hardware als der H4e nutzen. Er liefert mehr Details und auch eine gute Tiefenstaffelung, kommt aber längst nicht an das gute Aufnahmebesteck heran. Betrachtet man diesen Vergleich bezogen auf den Preis, kann der H4n Pro zwar die besseren Stereoaufnahmen abliefern, zumal er auch einen höheren Schalldruck vertragen kann. Insgesamt aber würde ich den H2e als Preis-Leistungs-Hit bezogen auf die genannten sehen. Schon hörbar besser als der H1e, aber zumindest ein Bissschen weiter weg vom H4n Pro, dafür mit mehr Flexibilität und 32-Bit-Float.
Als Einziger dieser Kandidaten und überhaupt kann er räumlich aufzeichnen, dafür sind vier Kapseln zuständig und Konkurrenz aus dem TEAC-Lager gibt es im aktuellen Sortiment m. E. nicht. Zwei der Kapseln sind als Seite und gegenphasig verschaltet, dann eine auf Front und Hinterseite, ebenfalls gegenphasig. Das birgt einige Vorteile mit sich, die ich kurz beschreiben möchte:
- Interviewsituation. Monologe kann man wahlweise über die vordere oder hintere Kapsel auf der Displayseite führen. Schaltet man beide ein, wirken sie wie eine Acht und filtern seitliche Störgeräusche, so kann man perfekt mit einem kleinen Stativ ein Interview aufzeichnen.
- Atmoaufnahmen. Hier wählt man die vordere, hintere oder alle Kapseln aus für eine binaurale Rundumansicht. Die Überraschung kam beim Abhören der Beispiele meines Autorenkollegen von AMAZONA.de, so war ich erstaunt über die räumliche Abbildung, als er um das Gerät ging. Die hintere Ortbarkeit ist überraschend gut bei Kopfhöreraufnahmen gelungen, besser als sie der H3-VR aufnimmt und vor Allem rauschärmer und noch dazu wirklich räumlich. Das ist keine Kunstkopfaufnahme, das sicher nicht. Aber man erhält einen deutlichen Rundblick, was jedoch nicht für die Höhenortung gilt (eben kein Kunstkopf).
Die Aufnahmen werden in drei PCM-Files je Aufnahmeordner abgelegt, wobei man den Mix noch deaktivieren kann. Man erhält wahlweise Stereo- oder M/S-Aufnahmen und das ist für die Postproduktion eine ganz tolle Sache. Nehmen wir an, man nimmt in der Kirche ein Konzert auf und positioniert das Gerät nahe dem Publikum in der ersten Reihe. Man kennt es ja, der Hust- und Reuspereffekt, fängt einer an, kommen alle nach, wie Helge Schneider schon eindrucksvoll im Hörspiel "Weihnachten bei van den Bergs" eindrucksvoll parodierte.
Nun kann man anschließend die Front- und Rear-Dateien nachbearbeiten und im Zweifel durch Lautstärkeautomationen während der Darbietung den hinteren Teil ausblenden. Die M/S-Codierung mit dem zugehörigen Plug-In von Zoom sorgt dafür, dass man die Stereobreite ebenfalls verschieben kann und durch Phasenlage der einzelnen Kapseln könnte man Störungen auch auslöschen. Das ist zwar kein Abisonics, siehe H3-VR, aber beim Endprodukt klassisches Stereo sind diese Mikrofone tendenziell ungeeignet.
Als Fazit könnte man das so zusammenfassen: Der Zoom H2essential ist ein günstiger Allrounder mit binauralen Qualitäten und Potential, so dass der "Kalauer" 32-Bit-Float an den Rand gedrängt wird. Man hat es gemerkt, ich bin darauf überhaupt nicht eingegangen und zwar aus gutem Grund: Die Mikrofonkapseln und das Eigenrauschen sind so ausgelegt, dass der Dynamikumfang selbst bei Erreichen der Belastungsgrenze ohnehin mit 24 Bit ausgeschöpft wären, so dass als Vorteil nur die nicht notwendige Aussteuerung bleibt. Dafür muss der Nutzer aber auch auf die MP3-Kompression verzichten, das schmeckt auch nicht jedem.