Im Musikerboard hat jemand einer Band, deren Bassist ausgefallen war, dieses Gerät empfohlen. Das hat mich neugierig gemacht. Es kann zwar keinen Bassisten ersetzen, aber eine große Unterstützung sein. Man kann damit eine Oktave über, eine Oktave unter und zwei Oktaven unter dem Original erzeugen.
Weil ich an meinem Akustikverstärker keinen weiteren Eingang frei habe, muss ich das Bass-Signal vom OC-5 mit dem Original-Gitarrensignal gemischt weiter leiten, was hervorragend funktioniert, ohne EQ der Gitarre verändern zu müssen. Wer noch einen freien Eingang hat, kann Bass und Gitarre dry getrennt heraus führen.
Als Gitarre spiele ich meistens eine primitive Fender Stratacoustic
mit Fishman-Piezo.
Der OC-5 ist BOSS-typisch hervorragend verarbeitet. Die Potis gehen weich, aber schwer, was versehentliches Verstellen ausschließt.
Die rote Kontroll-LED gefällt mir nicht. Der Leuchtpunkt ist tief im Inneren und wird durch das transparente Gehäuse nur schlecht nach außen übertragen. Frühere LEDs mit milchigem Gehäuse waren besser erkennbar. Wenn man bei Tageslicht zu schräg schaut, erkennt man die LED kaum. Senkrecht von oben geht es.
Ich bemängele auch, dass man sich die nur eine Seite umfassende Bedienungsanleitung erst herunterladen muss. Die hätte gefaltet auch noch in die Schachtel gepasst.
Auf 12 Uhr des Direct Level-Reglers ist die Lautstärke ein- und ausgeschaltet gleich. D. h. mit Einstellungen > 12 Uhr könnte man das Pedal auch als Booster verwenden.
Der Vintage Mode ist monophon, also eher nur für Bassisten geeignet.
Dreht man das Dry Signal weg und nur den Effekt auf, ist man erst enttäuscht. Beim Klang darf man keinen echten gezupften Bass erwarten, eher einen konstanten Synthie-Bass ohne Attack. Aber zusammen mit dem Dry Signal hört es sich erstaunlich gut an. Der harte Anschlag kommt dann vom Dry Signal und das reicht.
Der Poly Mode ist für meine Akustikgitarre interessanter.
+1 Octave gefällt mir nicht. Andere Tester schreiben, damit könne man den Sound einer 12-saitigen Gitarre erzeugen. Das kann ich nicht bestätigen.
-2 Octave gibt es in diesem Mode nicht.
Bleibt also nur noch -1 Octave und das ist auch, was ich brauche.
Für mich klingt das Mischungsverhälnis ausgewogen, wenn ich mit Dry Level auf 12 Uhr den -1 Octave Level auf 10 Uhr stelle, 11 Uhr ist auch noch vertretbar.
Im Poly Mode hat der -2 Octave Regler keine Funktion und mutiert zum Range Regler. Voll aufgedreht wird zu jedem Gitarrenton -1 Octave erzeugt. Dreht man den Regler gegen den Uhrzeigersinn zurück, wird nur bei zunehmend tieferen Gitarrentönen der Effekt erzeugt. Man kann also stufenlos einstellen, bis zu welchem Ton ein Basssound erzeugt werden soll, bei höheren Tönen erklingt nur das Dry Signal.
Damit können versierte Gitarrenspieler schon viel anfangen. Ich schrammle meistens nur Akkorde.
Aber genau dafür gibt es eine Funktion, die für mich ideal ist: Dreht man den Range Regler auf Linksanschlag, steht er in der Funktion Lowest.
Der OC-5 erkennt in dieser Stellung den tiefsten angeschlagenen Ton und erzeugt nur dazu den Bass eine Oktave tiefer.
Das klingt total geil und raumfüllend. Schaltet man das Pedal aus, hört man, was einem bisher gefehlt hat.
Jetzt kommt das große ABER:
Beim E- oder G-Akkord (und allen auf E basierenden Barréakkorden) klappt das bestens. Man kann alle Saiten anschlagen und der Grundbass wird korrekt erzeugt.
Schon beim A- und C-Akkord darf ich erst ab der 2. Saite anschlagen, um keinen falschen Bass zu erzeugen.
Noch schlimmer: beim D-Akkord erst ab der 3. Saite anschlagen.
Man muss sich eine exaktere Spielweise angewöhnen und die entscheidende Saite genau treffen, um den richtigen Grundbass zu erzeugen.
Das geht noch halbwegs bei langsamen Liedern. Bei schnellen ist mir das noch zu stressig. Da muss ich noch viel üben.
Ich spiele auch viel Country wie z. B. Johnny Cash mit schönen Wechselbässen. Selbst wenn ich die richtige Saite treffe in E mit A als Wechselbass, kommt trotzdem kein A-Bass, weil die E-Saite noch weiter schwingt und somit E als tiefster Ton erkannt wird und A so schnell keine Chance hat, als tiefster Ton erkannt zu werden. A kommt nur, wenn man zuvor die schwingende E-Saite abstoppt.
Bei schnellen Liedern ist es also nicht so einfach.
Hmoll muss ich künftig mit dem auf Emoll basierenden Barrégriff spielen, desgl. alle anderen A-basierten Barrégriffe.
Schnelle Bassläufe sind schwierig, wenn man nicht sicherstellen kann, dass der vorherige tiefere Ton abgestoppt wird.
Zusammenfassend ist der Boss OC-5 für mich eine Bereicherung bei langsamen Liedern, bei mittleren, wenn ich mich nicht noch zusätzlich auf andere Schwierigkeiten konzentrieren muss und bei schnellen, wenn ich auf Wechselbass verzichte oder bereit gespielte Töne abstoppen kann. Ich muss halt noch damit üben.
Ich mindere auch den durch das Pedal erzeugten Stress, indem ich nicht alles mit Bass spiele, erst beim Refrain den Bass als Steigerung dazuschalte oder sogar erst beim letzten Refrain.
Der neue Sound macht süchtig. Er klingt schon aus meinem Fishman Loudbox Artist Amp mit 8 Zoll Tieftöner phänomenal. Bei größeren Gigs gehe ich aus dem Fishman in eine kleine PA mit 12 Zoll Boxen. Das ist der Hammer.
In der Kette meiner Effekte habe ich den OC-5 direkt hinter meinem Vocalisten TC Helicon Harmony G. Dieser sollte nur das reine Gitarrensignal erhalten.
Es gibt keine Soundprobleme, wenn ich mit dem Bass in das nachfolgende Electro Harmonix String 9 String Ensemble gehe, auch nicht mit dem Verzerrer Nobels ODR-1 (übrigens der einzige von 8 ausprobierten Verzerrern, der mit Akustikgitarre am Akustik Amp ohne Änderung des EQ gut klingt). Der Bass Sound ist auch noch gut, wenn er im Fishman etwas Hall bekommt oder durch Flanger oder Chorus geht.
Ich würde den Boss OC-5 wieder kaufen und halte den Preis für angemessen.