Ich hatte mir das Mini Timmy bestellt, weil ich auf der Suche nach einem Low Gain Overdrive ohne ausgeprägtem Mid Boost war. Also ein Kontrast zum Tube Screamer oder zur RAT. Preislich lag das MXR CS Timmy mit ca. 150-160 € schon deutlich über dem "Boss-Standard", aber noch im akzeptablen Bereich. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen und denen wurde das edle kleine Pedal auch erst mal in vollem Umfang gerecht. Schon beim ersten Anblick, metallic blau, und ersten Anfassen (das kleine Ding hat Gewicht) wird klar, das ist ein Qualitätsprodukt. Dieser Eindruck bestätigt sich dann auch bei näherer Betrachtung, die Verarbeitungsqualität ist tadellos, alle Regler sind angenehm schwergängig, der Fußschalter hat einen festen Druckpunkt, perfekt. Also los, plug and play?
Das CS Timmy kann aufgrund des Mini Formfaktors nicht mit Batterie gefüttert werden, sondern benötigt zwingend ein 9V Netzteil. Volume und Gain Regler sind selbsterklärend, anstatt des üblichen "Tone" Reglers bekommt man separate Bass und Treble Regelung. Alle vier Regler sind sehr wirksam, das Pedal hat eine überdurchschnittlich großes Klangspektrum, sowohl bei der Verzerrung, als auch hinsichtlich EQ. Mit Gain auf Linksanschlag hat man einen Clean Boost, kontrolliert übergehend in Overdrive, ab ca. 14:00 Distortion, danach nimmt nur noch die Kompression zu. Der Mini Switch für 3 unterschiedliche Clipping Texturen hatte nach meiner Wahrnehmung nur geringen Einfluss. EQ seitig ist der Timmy wiederum sehr flexibel. Nahezu neutraler Frequenzgang (ideal für Crunch Rhythm) ist möglich, durch gezieltes Absenken oder Betonen der Bässe und Höhen lassen sich indirekt auch die Mitten beeinflussen. Alle Regelbereiche sind sehr wirksam und man muss sich intensiv mit dem Pedal beschäftigen und das ganze Potential auszuschöpfen. Und hier zeigt sich, bei aller Qualität und Vielfalt auch paradoxer Weise eine Schwäche: intuitive Bedienung, einfach einstöpseln und loslegen, Fehlanzeige. Das CS Timmy fordert mit seinen Möglichkeiten auch den Gitarristen als Sound-Tüftler heraus. "Mal schnell alle Regler auf 12:00" wird diesem Pedal nicht gerecht, man muss sich seinen Lieblingssound regelrecht erarbeiten. Hinzu kommt, dass 4 Regler auf engstem Raum diesen Prozess ganz schön zur Fummelei werden lassen. Das ist natürlich kein Makel des Pedals, man muss nur wissen was man will. Alles was der Timmy zu bieten hat, ist von hoher Qualität und ermöglicht ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Sounds und Anwendungen. Wer all das aus einem einzelnen Mini Pedal herausholen will, ist hier gut aufgehoben.