Der Hughes & Kettner Puretone ist kein Alleskönner, sondern ein bewusst puristischer Röhren-Amp mit Fokus auf Dynamik, Headroom und Spielgefühl. Genau dieses Konzept überträgt das Puretone Plugin konsequent in die digitale Welt. Statt endloser Amp-Modelle oder Preset-Flut setzt Hughes & Kettner auf die detailgetreue Emulation eines einzigen Amps, inklusive seiner klanglichen Eigenheiten und Grenzen. Die Hybrid-Modeling-Technologie kombiniert klassische Schaltungsmodelle mit dynamischer Signalverarbeitung und zielt klar auf Gitarristen ab, die ihren Ton primär über Anschlag, Gitarre und Lautstärkeregler formen. Das Plugin versteht sich weniger als Übungswerkzeug für Einsteiger, sondern als Recording- und Sounddesign-Werkzeug für erfahrene Anwender, die einen direkten, rohen Grundsound ohne digitale Glättung für den Computer suchen. Egal, ob Stand-alone oder in eine DAW eingebunden.
Im Zentrum steht die Amp-Sektion mit klassischem Tone-Stack und dem charakteristischen Growl-Regler, der gezielt ungefilterte, raue Obertöne in den Sound mischt. Ergänzt wird der Verstärker von einer klar strukturierten Effektumgebung. Vor dem Amp stehen Noise Gate, Filter und Overdrive als Pre-Amp-Stomps zur Verfügung, während nachgeschaltet ein 3-Band-EQ, ein Tape Delay mit Time-, Feedback- und Tone-Reglern sowie ein Spring Reverb mit Size-, Tone- und Mix-Parametern arbeiten. Alle Effekte lassen sich per Drag-and-Drop frei in der Signalkette anordnen, was gezielte Eingriffe in Dynamik und Frequenzverhalten erlaubt. Die Cabinet-Sektion bietet sechs Speaker-Emulationen, vier Mikrofonmodelle mit variabler Positionierung sowie einen Mixer für Lautstärke und Panorama - ein klarer Pluspunkt für detailverliebte Recording-Setups.
Das Hughes & Kettner Puretone Plugin richtet sich an Gitarristen, Produzenten und Recording-Enthusiasten, die ihren Sound bewusst minimalistisch aufbauen. Statt Preset-Jagd und Effektorgien stehen hier Spieltechnik, Dynamik und klangliche Feinabstimmung im Vordergrund. Wer Erfahrung mit echten Röhren-Amps, Mikrofonierung oder IRs mitbringt, findet im Puretone ein flexibles Werkzeug für authentische Amp-Sounds im Rechner. Weniger geeignet ist das Plugin für Anwender, die möglichst viele Stilrichtungen aus einer einzigen Software abdecken wollen oder stark vorgefertigte Sounds erwarten. Seine Stärke liegt klar in der Tiefe, nicht in der Breite - ein Ansatz, der erfahrene Nutzer belohnt, aber auch Erfahrung erfordert.
Hughes & Kettner gehört zu den größten deutschen Anbietern von Gitarren- und Bassverstärkern. 1984 von Hans und Lothar Stamer unter dem Namen Stamer Musikanlagen GmbH gegründet, darf sich der Hersteller aus St. Wendel im Saarland für seine zahlreichen Innovationen rühmen. So war das Produktdebüt im Bereich der Gitarrenverstärker, der ASR64 von 1986, der erste programmierbare Verstärker der Welt. Die Cream Machine von 1987 darf man dank ihres Kompaktformats zu den ersten Mini-Röhrenverstärkern überhaupt zählen. Ebenso prägend waren die analoge Lautsprechersimulation Red Box, der erste sechskanalige Verstärker (Triamp) und der ZenTera, der Modellingtechnik noch vor Line6 in einem Vollverstärker zum Einsatz brachte.
In der Praxis spielt das Puretone Plugin seine Stärken vor allem im Recording-Umfeld aus. Als Standalone oder Plugin in der DAW eignet es sich hervorragend für Direktaufnahmen ohne Latenzstress, für Reamping bereits aufgenommener Gitarrenspuren oder als flexibles Sounddesign-Tool. Durch die detaillierte Cabinet- und Mikrofonsektion lassen sich klassische Studio-Setups realistisch nachbilden, während der integrierte IR-Loader mit bis zu drei simultan ladbaren Impulsantworten zusätzliche klangliche Freiheit bietet. Auch hybride Workflows, etwa die Kombination aus Software-Amp und externen Pedalen oder Hardware-Preamps, sind problemlos möglich. Der Puretone empfiehlt sich damit besonders für Gitarristen, die ihren Sound reproduzierbar und unabhängig von Lautstärke oder Raumakustik umsetzen möchten.
IR-Loader & Cabinet-Mixer
Ein zentrales Detail des Puretone Plugins ist der integrierte IR-Loader, der den parallelen Einsatz von bis zu drei Impulsantworten erlaubt. Diese werden grafisch dargestellt und lassen sich im Pegel fein aufeinander abstimmen, was komplexe Boxen- und Mikrofon-Setups ohne externe Tools ermöglicht. In Kombination mit den internen Speaker-Emulationen und Mikrofon-Modellen entsteht eine außergewöhnlich flexible Cabinet-Sektion, die sowohl klassische als auch moderne Recording-Ansätze unterstützt. Gerade für erfahrene Anwender eröffnet dieser Bereich enormes Potenzial, um den Grundcharakter des Puretone-Amps gezielt zu formen, ohne dessen puristischen Kern zu verwässern.