Nach mehreren Jahren mit meinem bisherigen Setup aus zwei QSC K10.2 Tops und einem EV ELX18SP Subwoofer war für mich klar, dass der nächste Schritt kein reines „Upgrade um des Upgrades willen“ sein sollte. Entscheidend waren drei sehr pragmatische Punkte: ein kompakteres Transportmaß, ein klanglich erwachseneres System mit mehr Kontrolle im Kick-Bereich und ein Setup, das auch bei höheren Pegeln nicht anstrengend wird. Zusätzlich beeinflusst hat mich ein ausführliches Review von Nick Spinelli, das einige meiner Erwartungen an das System gut widerspiegelt.
Genau deshalb fiel die Entscheidung auf RCF NXL 14-A als Tops in Kombination mit zwei RCF SUB 15-AX als Bässe. Die Reihenfolge war dabei wichtig: Zuerst standen die Tops allein im Raum – und das hat sehr schnell gezeigt, dass dieses System konsequent als Sub-gestützte Lösung gedacht ist. Ohne Sub wirkten die Tops für meinen Einsatz zu dünn, und vor allem fehlte mir in dieser Konfiguration die Möglichkeit, das fundamental sauber „hinzu-EQen“. Für mich war das weniger ein „schlechter Lautsprecher“-Moment, sondern eher die klare Erkenntnis: Ohne Sub ist das nicht die passende Betriebsart und auch nicht sinnvoll zu bewerten. Mit dem ersten Sub änderte sich das Bild deutlich, kurz darauf kam der zweite dazu.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor war beim Upgrade ganz banal die Transportrealität: Zwei SUB 15-AX passen bei mir problemlos ins Auto, während zwei große 18”-Subs in vergleichbarer Leistungsklasse schlicht nicht praktikabel gewesen wären. Ich war bereit, dafür mehr Geld in die Hand zu nehmen – mit der Erwartung, am Ende auch spürbar mehr Qualität, Kontrolle und Alltagstauglichkeit zu bekommen. Mein typischer Einsatzbereich liegt bei Events um etwa 60 bis 150 Personen: Hochzeiten als Hauptanwendungsfall, dazu gelegentlich Corporate-Events und vereinzelt kleine Clubbing-/Party-Formate.
Der Bestell- und Lieferprozess verlief allerdings deutlich holpriger als erwartet. Den zweiten Sub hatte ich zunächst als B-Ware bestellt – entsprechend ist es schwierig, die Ursachen sauber zu trennen, weil man bei B-Ware nie ganz sicher weiß, welche „Vorgeschichte“ ein Gerät hat. Fakt ist: Der zweite Sub kam mit einem klaren Transportschaden an, konkret ein beschädigter Teller mit hörbaren mechanischen Beeinträchtigungen sowie ein sichtbar deformiertes Gehäuse. Das ist ärgerlich, gerade in dieser Preisklasse, aber der Umgang damit war vorbildlich. Thomann hat den Austausch ohne Diskussion, Verzögerung oder Relativierung abgewickelt.
Nach dem Ersatz trat jedoch ein weiteres Problem auf: In der RCF LiveRemote App wurde einer der Subs auffällig rot markiert und verhielt sich anders als das zweite, baugleiche Modell. Zusätzlich zeigten sich Unterschiede in der Gerätekennung und im internen Status, die sich weder logisch erklären noch reproduzierbar beheben ließen. Auch dieses Gerät ging zurück – erneut mit anstandslosem Austausch gegen Neuware. Der Prozess war für mich persönlich extrem nervig, aber fairerweise muss man sagen: Der Händler hat hier genau das getan, was man sich in solchen Situationen wünscht. Rückblickend wurde der „Firmware-/Software-Verdacht“ dann auch nie wirklich tief analysiert: Es gab zwar die Einschätzung, dass hier sehr wahrscheinlich ein Softwarethema vorliegt, dessen Ursprung man sich genauer ansehen müsste, am Ende wurde das betroffene Gerät wie gesagt schlicht ersetzt.
Klanglich zeigt sich relativ schnell, warum ich trotz dieser Startschwierigkeiten beim System geblieben bin. Wenn alles sauber läuft, liefert die Kombination aus NXL 14-A und SUB 15-AX einen sehr direkten, präzisen Punch, der genau den Bereich trifft, der für moderne DJ-Setups entscheidend ist. Besonders positiv: Auch bei höheren Pegeln bleibt der Sound kontrolliert und wirkt nicht „schneidend“ oder ermüdend. Das System wird laut, ohne in den Ohren weh zu tun - Gleichzeitig musste ich anfangs akzeptieren, dass „Punch“ nicht einfach ein Preset ist, das man einschaltet: Ich habe mir den Kickbereich gezielt im EQ/DSP erarbeiten müssen. Die Mitten und Höhen habe ich inzwischen sehr gut „reinbekommen“, beim Punch tweake ich aber weiterhin, weil die letzten Prozent stark vom Raum und der Aufstellung abhängen.
Gerade dieser Raumfaktor war auch der Grund, warum meine allererste Vergleichswahrnehmung zunächst irritierend ausfiel. In einem ersten Test hatte ich die Tops mit den Subs mit einem einzelnen 18” Sub outdoor direkt gegengestellt – und in dieser Konstellation hatte ich gefühlt plötzlich „keinen Bass mehr“, bzw. kaum noch spürbaren Tiefbass im direkten A/B. Indoor zeigte sich dann zum Glück ein ganz anderes Bild: Mit den beiden SUB 15-AX war der Bass nicht nur „da“, sondern das System hat im wahrsten Sinne des Wortes richtig „gepunched“ und den Raum sehr überzeugend gefüllt. Das ganz tiefe Wummern, das große 18” Setups in manchen Situationen liefern, fehlt natürlich – aber genau das ist für mich nicht der Kern. Mir ist der kontrollierte Punch wichtiger als maximaler Tiefbass, der in realen Hochzeits- und Corporate-Szenarien häufig ohnehin eher Probleme als Vorteile erzeugt - Leute beschweren sich.
Ein Thema, das mich allerdings von Beginn an beschäftigt hat, war der Noise Floor, insbesondere bei den NXL 14-A. Direkt vor dem Lautsprecher ist ein deutlich hörbares Grundrauschen vorhanden – deutlich(!) stärker als bei den QSC K10.2 im identischen Setup, sogar ohne angeschlossene Signalquelle. Mein erster Eindruck war, dass hier entweder Gain-Staging, Stromversorgung oder ein Defekt im Spiel sein könnte. Genau aus diesem Grund habe ich bewusst keine pauschale Händler-Aussage akzeptiert, sondern einen ausführlichen Thread auf Reddit gestartet, um Erfahrungswerte aus realen Setups zu sammeln – jenseits von Showroom- oder Verkaufsargumenten. Dort zeigte sich schnell: Ich war mit diesem Eindruck nicht allein. Mehrere Nutzer beschrieben ein sehr ähnliches Verhalten, teils auch mit konkreten Messungen und EQ-Kurven.
Parallel dazu habe ich RCF Deutschland direkt kontaktiert. Das Rauschen lässt sich nicht eindeutig einer einzelnen Ursache oder Firmwareversion zuordnen. Es deutet eher auf ein Zusammenspiel aus hoher Eingangsempfindlichkeit, Software-/DSP-Verhalten und der Auslegung für sehr unterschiedliche Signalquellen hin. Gerade diese hohe Eingangsempfindlichkeit ist laut RCF bewusst so gewählt, damit DJs im Zweifel auch direkt aus einem DJ-Mixer in den Lautsprecher gehen können. In etwa einem Meter Abstand kann das Rauschen bei diesen Baureihen durchaus wahrnehmbar sein – im realen Einsatz „steht dort in der Regel niemand“ (bei mir schon), und sobald Musik läuft, relativiert sich das Rauschen deutlich. Zudem ließe sich das Verhalten entschärfen, indem man die Eingangsempfindlichkeit an den Lautsprechern etwas reduziert und dafür mit höherem Ausgangspegel aus dem Mischpult arbeitet; professionelle Pulte liefern dafür ausreichend Pegelreserven. Zum Thema Firmware/App-Verhalten mit dem „roten Sub“ war die Aussage übrigens sinngemäß: Ein Softwarefehler ist nicht ausgeschlossen, aber ohne konkrete Analyse lässt sich die Ursache nicht verlässlich benennen, sodass eine Service-Aktion auf Dauer vermutlich nicht vermeidbar ist. In meinem Fall wurde das Thema praktisch durch den Austausch des auffälligen Subs beendet – technisch aufgeklärt wurde es dadurch jedoch nicht.
Sehr positiv hervorzuheben ist der DSP im SUB 15-AX. Besonders gelungen ist die Möglichkeit, direkt im Sub einzustellen, dass NXL 14-A Tops angeschlossen sind. Das erleichtert die Systemintegration enorm, inklusive sinnvoller Trennung und Phasenabstimmung. Ebenfalls angenehm: Firmware-Updates am Sub lassen sich grundsätzlich unkompliziert aufspielen, was im Alltag wichtig ist – zumal ich inzwischen auch gehört habe, dass es perspektivisch weitere Firmware-Stände geben soll, u. a. im Kontext neuer Lautsprecher-Modelle. Ob und wie stark das die Praxis verbessert, wird sich zeigen, aber dass RCF die Plattform softwareseitig grundsätzlich weiterführt, ist immerhin ein positives Signal.
Auch beim Stromanschluss merkt man, dass das System auf mobilen Einsatz ausgelegt ist: Der neue Power-Connector-Standard (PowerCON TRUE1) ist im Alltag ein echtes Plus. Das Durchschleifen von Strom ist sauber gelöst, reduziert Kabelsalat und Fehlerquellen und fühlt sich deutlich „touring-tauglicher“ an als klassische Kaltgeräte-Kabel.
Weniger überzeugend ist dagegen die RCF LiveRemote App. Funktional ist vieles vorhanden, aber die Bedienlogik wirkt nicht zeitgemäß und teilweise unnötig kompliziert. Besonders störend: Einstellungen lassen sich offenbar nicht als eigene Presets speichern – zumindest ist mir kein verlässlicher Weg bekannt, ein Setup wie „Mein Standard-Rig“ sauber abzulegen und auch offline, bei nicht verbundenem System abzurufen. Entweder übersehe ich hier etwas, oder diese Funktion fehlt schlicht. Problematisch ist zudem, dass Zustandsänderungen nicht immer eindeutig nachvollziehbar sind: Einmal führte eine App-Interaktion zu einem unerwartet hohen Ausgangspegel, ohne dass sich der genaue Auslöser im Nachgang reproduzieren ließ. Aus Sicherheits- und UX-Sicht sollte RCF hier dringend nachbessern. Ebenfalls unverständlich ist, dass Bluetooth zwar vorhanden ist, aber nicht für Audio-Playback genutzt werden kann. Das können deutlich günstigere Systeme inzwischen problemlos. Gerade für kurze Tests, Hintergrundmusik beim Aufbau oder kleine Jobs wäre das extrem praktisch – hier würde ich mir klar wünschen, dass RCF das per Update nachrüstet, sofern die Hardware das hergibt. Achja, die Taschen sind übrigens total komplex und nervig gebaut. Ein- und Auspacken dauert zu lange.
Unterm Strich bleibt ein ambivalentes, aber ehrliches Fazit: Klanglich und vom Konzept her ist das System für meine Einsätze genau das, was ich gesucht habe. Es ist kompakt, leistungsfähig, punchy und auch bei hohen Pegeln angenehm zu hören. Der Weg dorthin war jedoch unnötig anstrengend – mit Transportschäden, App-Inkonsistenzen und offenen Software-Fragen. Dass ich das Setup heute trotzdem nutze und schätze, liegt einerseits an den klaren klanglichen Stärken und andererseits ganz wesentlich an einem Händler, der Probleme pragmatisch löst. Wer bereit ist, sich mit DSP, Gain-Struktur und Raumakustik auseinanderzusetzen, wird mit einem sehr leistungsfähigen und klanglich überzeugenden System belohnt – wer reine Plug-and-Play-Erwartungen hat, sollte sich dessen bewusst sein.