Die Bratschen von Giovanni Paolo Maggini zählen zu den charaktervollsten und klanglich markantesten ihrer Art, und das Modell um 1610 ist bei dieser Einschätzung ausschlaggebend. Maggini, Schüler des Brescianer Pioniers Gasparo da Salò, entwickelte schon früh eine eigene Handschrift, geprägt von Experimentierfreude in Formgebung und Klangästhetik: Auch diese Bratsche hat einen kraftvoll geschwungenen Korpus, der ihr die typische tiefe, warme und resonanzstarke Grundfarbe verleiht. Ebenfalls unverkennbar ist Magginis Signaturdetail: die fein ausgeführte doppelte Randeinlage auf Decke und Boden. Bei dieser Replika wurden alle Aspekte sorgfältig nachempfunden, angefangen beim geflammten Ahorn für Boden und Zargen. Wie alle Instrumente von Scala Vilagio handelt es sich um ein meisterlich gefertigtes Unikat, das den Geist der Barockzeit möglichst authentisch einfängt.
Beim Bau seiner Scala Vilagio F.H. Maggini Viola 1610 hat Geigenmeister Florian Hertzsch – dafür steht die Abkürzung F.H. im Namen – gezielt authentische Hölzer gewählt. Die Decke besteht aus langabgelagerter Alpenfichte, der restliche Korpus aus breit geflammtem Riegelahorn, einem Markenzeichen Magginis. Die Garnitur aus Palisander trägt der Geschichte des Instruments Rechnung: Dieses tropische Hartholz hätte Maggini selbst kaum verwendet, fand jedoch bereits im 18. Jahrhundert bei Restaurierungen barocker Streichinstrumente Verwendung. So trifft Tradition auf moderne Baupraxis: Die Klanghölzer werden auf spezifische Frequenzen abgestimmt, um ein präzises akustisches Ergebnis bei zugleich robuster Konstruktion zu erreichen.
Im Jahr 1610 hatte Maggini das brescianische Modell nahezu perfektioniert, mit klar ausgeprägten Stilmerkmalen, die sich auch in diesem Instrument deutlich widerspiegeln. Besonders charakteristisch sind die hoch angesetzten F-Löcher: Dadurch wandert auch der Steg nach oben, was die schwingende Saitenlänge verkürzt. Die Viola bleibt trotz ihres großen Korpus erstaunlich griffig und spricht schnell an. Eine weitere gelungene Verbindung von Optik und Klang bilden die breiten Unterbüge, die den für Maggini typischen warmen, kernigen Tiefklang unterstützen und zugleich das Gesamtbild der Bratsche erden. Hinzu kommen die weit auslaufenden, erst spät abfallenden Wölbungen, die dem Korpus mehr akustische Präsenz verleihen. Kurzum: Man profitiert von einem immensen Volumen, erhält aber gleichzeitig die Bespielbarkeit einer deutlich kleineren Bratsche.
Scala Vilagio ist eine Thomann-exklusive Marke, unter welcher hochwertige Streichinstrumente und vollprofessionelles Zubehör angeboten wird. Es werden ausschließlich nachhaltig angebaute und über lange Zeit getrocknete europäische Hölzer verwendet. Die Instrumente werden von Geigenbaumeistern nach traditionellen Bauweisen der großen Vorbilder gebaut: Neben Stradivari und Guarneri del Gesu finden sich hier auch Großmeister wie Nicolo Amati oder Giovanni Paolo Maggini. Alle stehen für eine Vielzahl individueller Klangkonzepte, und lassen jedes für sich ein Stück Instrumentenbaugeschichte erleben. Die breite Palette an unterschiedlichen Modellen wird nur möglich durch das breite Spektrum der Instrumentenbauer, die unter anderem in Franken, in den Karpaten und in der Tschechei die Scala-Vilagio-Instrumente in der Tradition der alten Meister bauen.
Diese Bratsche wurde mit höchster Genauigkeit nach historischem Vorbild gefertigt, doch sie ist keineswegs ein Ausstellungsstück fürs Museum. In seiner Werkstatt in Niederbayern fertigt Florian Hertzsch Instrumente zum Musikmachen, mit Hi-Tech-Akustikanalyse sowie leidenschaftlicher Handarbeit. Das setzt sich auch in der weiteren Ausstattung der Scala Vilagio F.H. Maggini Viola 1610 fort, etwa bei den in Wien handgewickelten Saiten von Thomastik oder dem robusten Jakob-Winter-Formkoffer mit abnehmbaren Rucksackgurten. Wer sich als erfahrener Musiker ein solches Werkzeug gönnt, besitzt meist mehrere Bögen, natürlich gibt es aber von Scala Vilagio auch eine Auswahl passender Bögen in unterschiedlichen Ausstattungen.