Die Röhrenverstärker von Dave Friedman genießen höchstes Renommee. Nicht umsonst vertraut Jake E-Lee (Ozzy Osbourne, Badlands, Red Dragon Cartel) auf ein Signature-Modell. Neben der vergriffenen 100-Watt-Version zählen die 50- und 20-Watt-Verstärker zum festen Programm des Herstellers und liefern rohen Rocksound vom Feinsten! Doch nicht immer ist ein Vollverstärker gefragt und finanzierbar. Entsprechend steht mit dem Friedman IR-J nun ein zweikanaliger Vorverstärker mit doppelter 12AX7-Bestückung im Pedalformat bereit, der sich für unterschiedlichste Anwendungen von der heimischen Aufnahme bis hin zum Bühneneinsatz eignet. Beide Kanäle sind mit einer dreibandigen Klangregelung, Gain- und Ausgangspegelreglern versehen. Hinzu kommt eine individuell regel- und schaltbare Mid-Boost-Funktion. Für eine einfache Bedienung sorgen drei Fußschalter, die sich in zwei Ebenen nutzen lassen sowie ein MIDI-Eingang.
Individuelle dreistufige Bright-Schalter sowie der JEL-Schalter in Kanal 2 sorgen für hohe Klangvielfalt. Dazu lassen sich über vier seitliche Trim-Potis der Boost-Gain und die Klangfarbe pro Kanal steuern. Schaltungsvorbild: der klassische Tube Screamer. Über einen schaltbaren seriellen Einschleifweg sind zudem Effekte integrierbar. Eine Besonderheit ist die eingebaute Endstufen- und IR-Boxensimulation. Pro Kanal kann man direkt zwischen drei Impulsantworten wählen. Insgesamt hat man sogar Zugriff auf 18 durch Dave Friedman selektierte und Ownhammer produzierte Impulsantworten, die sich über eine Editor-Software in den jeweiligen Slots im Gerät ablegen lassen. Der Klang dieser Simulation lässt sich über einen symmetrischen Klinkenausgang mit Ground-Lift-Schalter und einen Kopfhörerausgang abgreifen. Somit ist der Friedman IR-J bestens für Aufnahmen, stille Proben und den FOH-Einsatz nutzbar.
Kanal 1 des Friedman IR-J widmet sich Plexi-inspirierten Klängen, die mal clean, mal bluesig tönen oder mit straffem Crunch aufwarten. Kanal 2 orientiert sich sodann am Klassiker 2203/2204: straffer Rocksound mit einem ergänzenden JEL-Schalter, welcher der Schaltung mehr Artikulation und Gain verpasst. Die Abstimmung ist also explizit britisch, jedoch mit dem speziellen Fingerabdruck des Herstellers. Die Vorstufe ist stimmig im Spielgefühl, reagiert gut auf die Spieldynamik und ist insbesondere in Kanal 2 etwas „böser“ als man es von Friedman sonst gewohnt ist. Die Regler und die Boost-Funktion sind musikalisch skaliert, sodass man hier garantiert den gewünschten Rocksound findet. Dank der integrierten Endstufen- und Lautsprechersimulation erzielt man zudem bei Aufnahmen und bei der Beschallung eine bemerkenswerte Klangvielfalt, die mithilfe der Editor-Software nochmals erweitert wird.
Dave Friedman aus Los Angeles darf man getrost zu den Koryphäen im Bereich der Röhrenverstärker zählen. Seit über 25 Jahren modifiziert er Verstärker, entwickelt und baut eigene Produkte und gilt als Experte im Bereich bühnen- und studiotauglicher Racklösungen. Die Liste von Künstlern, die seine Produkte nutzen, ist beachtlich und reicht von Steve Stevens, Jerry Cantrell, Jake E. Lee über Phil X hin zu Bill Kelliher. Auch die geliebten Marshalls von Eddie Van Halen und Steve Vai hatte Dave Friedman schon auf der Werkbank. Seine wichtigste Entwicklung dürfte der Verstärker BE-100 sein, der inzwischen in unterschiedlichsten Varianten verfügbar ist. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Familie des verstorbenen Mod-Pioniers Jose Arredondo für den Bau eines zugehörigen Vollverstärkers ist bemerkenswert. Die Produktpalette von Friedman umfasst heute etliche Verstärker, die überwiegend von Hand in den USA gebaut werden, Boxen, Gitarren, Pedale und selbst Pedalboards und Tonabnehmer.
Der Friedman IR-J lässt sich ausgesprochen vielfältig nutzen. Zuhause oder im Proberaum ermöglicht er gut klingende Gitarrenaufnahmen, auf Reisen sorgt er für guten Sound im Hotelzimmer. Schließlich passt der Vorverstärker in jede Tasche und lässt sich bequem zum nächsten Gig transportieren. Dort kann man ihn im Loop-Return eines vorhandenen Verstärkers nutzen und direkt mit zwei echten Röhrenkanälen und Boost-Funktion loslegen. Selbst eine Mikrofonierung ist dafür notwendig. Weiterhin ist der IR-J im Havariefall das perfekte Sicherheitsnetz. Und zu guter Letzt kann der Vorverstärker dank MIDI-Eingang sogar ferngesteuert im Verlauf der Show umgeschaltet werden – quasi latenzfrei und ganz ohne Modeling.
Editor Software
Die kompakten Vorverstärker von Friedman können über eine USB-Schnittstelle auf eine von Synergy entwickelte kostenlose Editor-Software für Windows- und macOS-Rechner zugreifen. Dabei lassen sich die Parameter der Vorstufe weiter abstimmen und in bis zu 128 Speicherplätzen ablegen, die sich über MIDI abrufen lassen. Neben der Konfiguration der Schaltfunktionen am Vorverstärker stehen ergänzende Parameter bereit: Hierzu zählen Presence- und Thump-Schalter für den Klang der Endstufensimulation, der Zugriff auf die mitgelieferten Impulsantworten sowie eine Möglichkeit zum Import entsprechender eigener Dateien. Auch der Loop und die Boost-Funktion lassen sich mit erweiterten Parametern konfigurieren.